Die Alte Kapelle Godshorn

Foto: Bastian Haehling

Die Godshorner Kapelle wurde 1959 von der benachbarten Kirche „Zum Guten Hirten" als Gottesdienstraum ersetzt und anschließend zunächst als Gruppenraum für die Gemeindearbeit genutzt. Seit 2002 ist der Innenraum fast im ursprünglichen Zustand wiederhergestellt. Die Fachwerkkapelle mit einem kleinem Dachreiter und dem schlichtem Innenraum wurde vermutlich 1746 erbaut, so wie die Datierung einer Liedanzeigetafel im Altarraum zeigt. Sie ersetzte eine frühere, seit dem 15. Jh. belegte Kapelle, an die noch ein gotisches Kruzifix sowie' das Bildnis „Maria mit dem Kinde" vom Ende des 15. Jhds. erinnern. Bemerkenswert ist hier der Altar: Seine Platte besteht aus dem Grabstein eines 1584 verstorbenen Pastoren. Das Altarbild darüber zeigt die Kreuzigung, wobei die betenden Betrachter in der Mode des 18. Jhds. dargestellt sind und eine ortsansässige Familie zeigen.

Die Kapelle ist geöffnet: Jeden 1. und 3. Donnerstag um 18.30-19 Uhr zu den Andachten „Offene Kapelle

Ein kurzer historischer Überblicktl_files/langenhagen/gemeinden/godshorn_zumgutenhirten/bilder/gebaeude/Kapelle/Alte-Kapelle-Titel.jpg

1746: Vermutliches Erbauungsjahr der jetzigenK apelle am Platz einer Kapelle aus Jahre 1485. Belegt wird dieses u. a. durch eine alte Liedanzeigetafel, auf der die Jahreszahl 1746 steht. Die Liedertafel hängt links neben dem Altar in der Kapelle.

1848: Die Kapelle dient mit der Einweihung des Friedhofs als Friedhofskapelle und gottesdienstliche Stelle für vom Kantor gehaltenen Kinder- und Altengottesdienst.

um 1900: Der Lehrer des Ortes verliest die Sonntagspredigt für die alten Leute und hält anschließend die Sonntagskinderlehre.

nach 1918: Einmal im Monat wird durch Pastor Voigt aus Engelbostel Predigtgottesdienst gehalten.

ab 1951: Der Gottesdienst findet 14tägig mit Pastor Brünjes aus Engelbostel statt.

1953: Die Kirchengemeinde bekommt für die Kapelle eine kleine Orgel (erbaut 1903 als Nebenorgel der Aegidienkirche in Hannover) geschenkt.

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1957: Bei Renovierungsarbeiten wird die Kreuzigungsgruppe um 1750 auf dem Boden der Kapelle gefunden.

1968: Die alte Kapelle wird gründlich restauriert und zum Gemeinderaum umgestaltet. Die Kreuzigungsgruppe und das Altarbild werden in die Kirche übernommen. Das Prozessionskreuz und die „Maria mit dem Kinde" aus der Zeit um 1450 sowie die Apostelstatue und Anna-Selbdritt aus der Zeit um 1600 verbleiben in der Kapelle.

ab1999: Mit Unterstützung der gesamten Kirchengemeinde, der Stadt Langenhagen, des Kirchkreises Burgwedel-Langenhagen und vieler Einzelspender werden Gelder für das Kapellenprojekt gesammelt.

2001: Vor Ostern beginnen Kirchenvorstand, Gemeindebeirat und Helfer in Eigenleistung die ersten Arbeiten.

2002: Am 8. September wird die vollständig restaurierte Kapelle eingeweiht.

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Die Kunstschätze der Godshorner Kapelle

I. Die Kapellenglocke um 1400

Sie ist das älteste erhaltene Stück. Als Guss entstand sie um 1400 in der Grenzzeit zwischen Romantik und Gotik. Sie ist sehr kostbar. Heute hängt sie als 4. Glocke im Glockenstuhl der Kirche.

II. Prozessionskreuz und Maria mit dem Kinde (1450)

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Beide Schnitzwerke sind spätgotisch. Das Kruzifix wurde als Vortragekreuz benutzt. Hierauf lässt ein Tragestiel am unteren Ende schließen, der bei Restaurierungsarbeiten abgesägt wurde. In den Rundbildern finden sich die Abbildungen der Evangelisten Markus, Johannes, Lukas sowie des Apostel Paulus. Beide Holzplastiken befinden sich heute in der Kirche.

III. Die Altarplatte von 1485

Die Sandsteinplatte ist ein ehemaliger Grabstein eines Priesters und trägt folgende Inschrift:

Anno Domini 1485 Sabbato Post Festum Sancti Urbani
...enuel Sacerdos Cuius Requiescat In Pace.

Sie wurde schon früh als Altarplatte genutzt, davon zeugen Weihekreuze in der Platte.

IV. Apostelfigur und Anna-Selbdritt um 1600

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Es ist unklar, um welchen Apostel es sich bei der Statue handelt. Ursprünglich trug er ein Buch, das jetzt abgeschlagen ist. Anna-Selbdritt ist die Heilige der Bergleute. Vermutlich ist sie aus dem Raum Minden zu uns gekommen, da Godshorn zum Bistum Minden gehörte.

V. Altarbild um 1750

Es zeigt in dem linken Bild den Stifter unter der Kreuzigungsszene mit seinen Söhnen, von denen drei im Amt sind, einer ist nach ein Knabe. Das mittlere Bild stellt das Abendmahl dar. Das rechte Bild zeigt unter der Auferstehungsszene die Frau des Stifters mit ihren Töchtern. Zwei sind bereits verheiratet, „unter der Haube", ein Kind ist totgeboren oder kurz nach der Geburt gestorben. Die Namen der Stifter sind Tile und Anna Bister. Das Altarbild befand sich seit 1968 über der Kirchenvorsteherbank in der Kirche. Seit September 2002 ist es wieder über dem Altar in der Kapelle angebracht.

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VI. Kruzifix mit Maria und Johannes um 1750

Die Kreuzigungsgruppe ist eine „derb bäuerliche" Schnitzarbeit und wurde 1957 bei Renovierungsarbeiten auf dem Dachboden der Kapelle gefunden. Ihre jüngste Vergangenheit ist sehr bewegt:

1972 wurden sie gestohlen und wieder gefunden, anschließend sofort zur Sicherheitsverwahrung ins Landeskirchenamt gebracht.

1981 wurden sie von dort für 20 Jahre an die von Bothmersche Kapelle verliehen.

2002 kehren sie in ihre Heimatkapelle nach Godshorn zurück.

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